Al-Ghazali
Aus dem Wiki der Edition Viktoria
| Hayy Ibn Yaqdhan Ein muslimischer Inselroman | |
| ISBN 978-3-902591-01-2 | |
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Die Inkohärenz der Philosophen
Er war als Ascharit ein Erzkritiker der Lehren des älteren Kalam. In seinem Werk tahafut al-falasifa (Inkohärenz der Philosophen) stellte er die Konzepte der Falsafa in Frage. Er referierte in dieser Schrift die wichtigsten philosophischen Meinungen seiner Zeit, um sie in der Folge scharf anzugreifen. Auf diese Weise verteidigte er auch das theologische Dogma von der Erschaffung der Welt ex nihilo gegen die Lehre von der Ewigkeit der Welt.
Sufismus
Al-Ghazali war aufgrund eigener Erfahrungen von der Unzuverlässigkeit der Vernunft in metaphysischen Fragen überzeugt. Sein wachsendes Wissen stürzte ihn bald in eine tiefe Krise, getragen vom Zweifel an der Möglichkeit jeglicher Erkenntnis. Seine Lehrtätigkeit und die Anhäufung von Wissen wurden ihm zuwider. Als er auch noch schwer krank wurde, entschloss er sich sein Leben zu ändern, und er begann sich mit dem Sufismus zu befassen. Er wollte Erkenntnis durch Erfahrung erlangen und wusste, dass ihm weder sein Wissen noch die Vernunft dabei helfen würden. Er verließ seine Arbeit und seine Familie und ging als Sufi nach Damaskus, später nach Jerusalem.
Das Herz, von dem die Vernunft nur ein Teil war, bekam eine zentrale Bedeutung in seinem Denken. Es wurde als göttliches Organ gesehen, durch das der Mensch rechtgeleitet wurde. Es besaß die Fähigkeit zur Gotteserfahrung und musste deshalb von irdischem Ballast frei gemacht und frei gehalten werden.
Was al-Ghazali in diesen Jahren der Verinnerlichung erlebte, gab er nicht preis. Seine Aussage dazu stammt aus dem almunqidh min al-dhalal (Der Erretter aus dem Irrtum): "Es geschah, was geschah, ich erinnere es nicht. Als Gutes vermut´ es, erfrage es nicht".

