Falsafa
Aus dem Wiki der Edition Viktoria
| Hayy Ibn Yaqdhan Ein muslimischer Inselroman | |
| ISBN 978-3-902591-01-2 | |
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Philosophen
Zu den Falasifa (islamischen Philosophen) zählten etwa die Angehörigen einer der letzten Schulen des älteren Kalam, die Mutaziliten (die Zurückgezogenen). Diese sahen sich der Vernunft verpflichtet und spalteten sich von den traditionstreuen Gelehrten des Kalam ab. Sie traten dafür ein, dass der Vernunft der Vorzug gegeben werden sollte, wenn Offenbarung bzw. Überlieferung in einem Widerspruch dazu standen. Diese Denker operierten
erstmals mit griechischen Begrifflichkeiten in islamisch-theologischen Diskursen und bedienten sich der Methoden
der griechischen Philosophie wie der Dialektik. Darüber hinaus beschäftigten sie sich auch mit Kosmologie, Psychologie, Moralphilosophie und anderem. Ein ethischer Standpunkt der Mutaziliten war zum Beispiel der, dass die Vernunft unabhängig von der Offenbarung in der Lage sei, die moralische Qualität einer Handlung zu erkennen.
Auf die Mutaziliten folgte die Schule der Aschariten, die traditionalistischere Standpunkte vertrat. Weil die philosophischen Prinzipien der Argumentation aber bereits die Grundlage der Diskurse geworden waren, bediente
sich auch der ascharitische Kalam der dialektischen Methode und der rationalen Argumentation, um sich gegen deren Vordringen selbst zu behaupten (al-Ghazali). Auf diese Weise wurden die ascharitischen Gelehrten im Kampf gegen den philosophischen Neuerungsgeist dazu geführt, mit der eigenen Doktrin in eine rationale Auseinandersetzung zu treten.
Einige der wichtigsten Denker jener Zeit sind al-Kindi, al-Farabi, Ibn Sina, al-Ghazali, Ibn Ruschd.
Themen und Problematiken
Die Themen der islamischen Philosophie im Mittelalter entsprachen zu einem guten Teil denen der antiken griechischen Philosophie. Deren Lehren wurden vor dem Hintergrund eines intellektuell-islamischen Kontextes in den Blick genommen, und an der Beschäftigung mit dem griechischen Wissen brachen neue Fragen auf.
Besonders die metaphysischen Konzepte der hellenistischen Philosophie wurden versucht, in einen Einklang mit der koranischen Auffassung zu bringen. Der Prozess der Auseinandersetzung mit diesen Theorien führte in der islamischen Praxis zur Entwicklung eigener Lehren.
Neben der Diskussion um die Geschaffenheit oder die Ewigkeit der Welt waren Fragen der Seele bzw. des Intellekts wichtiger Gegenstand der Philosophie.
Die Ewigkeit der Welt
Eine zentrale Frage der frühen islamischen Philosophie war die, ob die Welt aus dem Nichts (ex nihilo) geschaffen war oder ob sie seit immer und ewig bestand.
Wie al-Farabi war auch Ibn Sina ein Verfechter der Theorie von der Ewigkeit der Welt. Beide argumentierten auf aristotelischer Grundlage und standen damit in einem scheinbaren Widerspruch zur koranischen Auffassung von der Erschaffung der Welt. Die Philosophen begründeten diese Divergenz damit, dass die Sprache der Offenbarung bildhaft war, damit sie von der nichtphilosophischen Mehrheit der Menschen verstanden werden konnte. Der geoffenbarte Text stünde nur, wenn er wörtlich genommen würde, im Widerspruch zu den philosophischen Theorien. Richtig - nämlich philosophisch - interpretiert, befänden sich die Wahrheiten von Offenbarung und Philosophie in Übereinstimmung.
Al-Ghazali hatte als Ascharit eine traditionalistischere Einstellung und kritisierte die Lehren des älteren Kalam. In seinem Werk tahafut al-falasifa (Inkohärenz der Philosophen) stellte er die Konzepte der Falsafa in Frage. Und er verteidigte gerade mit den Methoden der Falasifa und der Kraft der Argumente das theologische Dogma von der Erschaffung der Welt ex nihilo gegen die Lehre von der Ewigkeit der Welt.
Ibn Ruschd verfasste mit der Schrift tahafut at-tahafut (Inkohärenz der Inkohärenz) eine sehr konkrete und scharfsichtige Entgegnung auf das Buch tahafut al-falasifa (Inkohärenz der Philosophen) von al-Ghazali. Durch diese beiden Schriften ist eine detailreiche Diskussion zur Frage über die Ewigkeit der Welt ausführlich dokumentiert. Es geht dabei aus Ibn Ruschds Text nicht eindeutig hervor, dass er die Ewigkeit der Welt beweisen wollte, vielmehr scheint es so zu sein, dass Ibn Ruschd die Vertretbarkeit des philosophischen Standpunktes, also die rationale Welterklärung, gegen al-Ghazalis Angriffe verteidigen wollte.

