Ge'ez
Aus dem Wiki der Edition Viktoria
| Zär'a Yaqob Eine äthiopische Weltanschauung | |
| ISBN 978-3-902591-02-9 | |
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Sprache
Ge'ez gehört zu den semitischen Sprachen, die einen Zweig der afroasiatischen Sprachfamilie darstellen. Es ist heute keine Konversationssprache mehr, hat sich aber als liturgische Sprache der christlichen Kirchen Äthiopiens und Eritreas erhalten.
Ge’ez, eng verwandt mit der sabäischen Sprache, war ursprünglich eine Sprache der Bauern, entwickelte sich aber im Laufe der Zeit zur offiziellen Sprache des aksumitischen Königreiches. Ge'ez Literatur erreichte ab dem 4. Jahrhundert u. Z. ihrem Höhepunkt, als auch die aksumitische Kultur und Wirtschaft ihre Hochblüte erlebte. Die Ge'ez-Schriften jener Zeit sind nahezu ausschließlich religiösen Inhalts, dazu gehören Bibelübersetzungen aus dem Griechischen und Syrischen oder liturgische Texte genauso wie Heiligenerzählungen, Gebete oder Hymnen. Durch das Vordringen des Islam im 7. Jahrhundert wurde die abessinische Bevölkerung nicht nur vom religiösen Austausch, sondern auch vom Handel mit Europa abgeschnitten und erlebte seinen Niedergang. Aus der Zeit des 8. bis 12. Jahrhunderts, in der das Geschlecht der Zagwe regierte, sind keine Ge'ez-Schriften erhalten.
1270 besiegte Yekuno Amlak den letzten Herrscher der Zagwe und bestieg als Negusä Nägäst (König der Könige) den Thron. Er führte seinen Stammbaum auf Salomon zurück und sah sich damit in der Tradition der alten aksumitischen Königsdynastie. Zu diesem Zeitpunkt war Ge'ez schon nicht mehr Konversationssprache, aber ähnlich wie Latein im europäischen Mittelalter spielte es weiterhin eine große Rolle im gelehrten Umfeld sowie im sakralen Bereich und auch als Schriftsprache, sodass die Zeit ab dem 14. Jahrhundert als das Goldene Zeitalter der Ge'ez-Literatur gilt.
Das Wissen um die historischen Ausspracheregeln ist verloren gegangen, heute gesprochenes Ge’ez wird nach amharischer Sprechweise artikuliert, das seinerseits eine Weiterentwicklung des Ge'ez sowohl im Gesprochenen als auch in der Schrift darstellt.
Schrift
Die Schriftzeichen des Ge'ez gehen auf die altsüdarabische Kultur des Sabäisch-Himjarischen zurück, aus dem es einen Großteil seiner Symbole übernommen hat. Die ältesten Ge'ez-Quellen reichen bis ins 5. Jahrhundert v. u. Z. zurück. Aus den frühen Aufzeichnungen sind 26 Silben bekannt, die wie ihre Herkunftszeichen keine Vokale enthielten. Im Unterschied zu den semitischen Schriften wurde Ge'ez jedoch nicht von rechts nach links geschrieben, sondern verlief bustrophedon. Dieser Begriff bedeutet "wie der Ochse wendet" und bezeichnet eine Schreibweise, die sich in jeder Zeile ändert (von rechts nach links, von links nach rechts, von rechts nach links etc.). Später etablierte sich die Rechtsläufigkeit (Schreibweise von links nach rechts) und im Zuge der Konvertierung des Aksumitischen Reiches zum Christentum veränderten sich die Schriftzeichen durch das Hinzufügen von Vokalen als Anhängsel an die vorhandenen konsonantischen Zeichen. Im Zuge der Übersetzung der Bibel aus dem Griechischen fand eine Reorganisation des Ge'ez-Alphabets in Anlehnung an das griechische Alphabet statt.
Ge’ez zählt zu den Abugidas. Dieser Begriff steht für Schriften, die eine Zwischenstellung zwischen Buchstaben- und Silbenschrift bilden: Dabei stellt die Silbe zwar das Grundelement der Schrift dar, sie selbst besteht aber wiederum aus kleineren Segmenten.
In Ge´ez handelt es sich bei diesen Grundelementen um Konsonanten, die jeweils bereits einen bestimmten Vokal (ä/a) beinhalten. Durch die Hinzufügung von verschiedenen (zunächst insgesamt sieben) Vokalzeichen ändert sich die jeweilige Grundsilbe.
Zum Beispiel:
Schon im frühen Ge’ez wurden zusätzliche Silben gebildet, und im Laufe der Zeit entwickelten sich weitere Schriftzeichen und verschiedene Ausdifferenzierungen derselben. Zu den Vokalfragmenten gesellten sich Fragmente für Diphthonge (z.B. wa/oa, ya/ia) und zu den konsonantischen Silben verschiedene Varianten derselben etwa als Nasale (z.B. nj) oder Labiovelare (z.B. kw, gw).
Die heutige äthiopische Staatssprache, Amharisch, geht sowohl sprachlich als auch schriftlich auf Ge’ez zurück. Die Schrift besteht nun aus 33 Grundsilben.
Die Transliteration der Schriftzeichen in lateinische Buchstaben ist schwierig, weil viele Lautbildungen keine Entsprechungen haben. Die Aufbereitung für die deutsche Aussprache muss sich darüber hinaus noch mit dem Problem herumschlagen, dass bereits etablierte Schreibweisen (z.B. Ortsnamen, Personenbezeichnungen) einer englischen Phonetik folgen. Es finden sich daher in Lateinschrift vielfältige, von einander abweichende und oft sehr willkürlich erscheinende Schreibweisen für ein und dieselben Begriffe, und es gibt bislang keine Standards für die lateinische Verschriftung.

