Kalam

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  Hayy Ibn Yaqdhan
Ein muslimischer
Inselroman
  ISBN
978-3-902591-01-2
  Online-Buchhandel
Der Bereich der religiösen Wissenschaft im Islam, der sich mit den Glaubenssätzen beschäftigt, ilm al-kalam (Kalam), entwickelte sich sehr bald zu einer theologischen Disziplin, in der sich im Laufe der Zeit verschiedene Schulen herausbildeten.

Der Beginn der Eigenständigkeit dieser Disziplin kann in der zweiten Hälfte des siebenten Jahrhunderts angesiedelt werden. Al-Hasan al-Basri (642-728) wird oft als Begründer angeführt, da von ihm die ersten Diskussionen zur Willensfreiheit des Menschen bekannt wurden.


Inhaltsverzeichnis

Argumentation als Methode

Die Aufgabe des Kalam war es, die Wahrheit des religiösen Glaubens zu argumentieren. Zweifel und Einwände sollten beseitigt, anders lautende Standpunkte überzeugend entkräftet werden. Die im Kalam debattierenden Theologen wurden Mutakallimun (die sich Beredenden) genannt. Solange die Dispute innerhalb der islamischen Gemeinschaft stattfanden, war der koranische Grundkonsens jedenfalls gegeben. Als die Araber in der Mitte des siebenten Jahrhunderts jedoch den Irak eroberten, trafen sie auf neue Ideenwelten, wie etwa die hellenistische Philosophie oder das indische Denken, und sie trafen dabei auf Menschen, die nicht auf der Grundlage des Koran diskutierten.


Haus der Weisheit

Auf diese Art bereichert wurde die polemische Auseinandersetzung bereits zur Zeit der zu Ende gehenden Umayyaden-Dynastie (661 - 749). Die frühen Kalifen des nachfolgenden Herrschergeschlechts, der Abbasiden, förderten Übersetzungen aus anderen Kulturen in besonderem Maß.
Al-Maamun (809 - 833), ein Unterstützer der mutazilitischen Theologie, gründete ein Haus für Gelehrte und Übersetzer, das zugleich eine Bibliothek war. Diese Einrichtung wurde als bayt al-hikma (Haus der Weisheit) berühmt. Die Übersetzer der griechischen Texte ins Arabische waren hauptsächlich syrischsprechende Nestorianer, Jakobiten und Sabäer.
Für die Teilnahme an den Studien im bayt al-hikma war der islamische Glaube keine Voraussetzung. Ein großes Spektrum an Schriften, insbesondere solche aus den Bereichen der Medizin, Astronomie, Mathematik und Naturwissenschaften, die auch Logik und Philosophie beinhalteten, wurde auf hohem wissenschaftlichen Niveau in einer relativ kurzen Zeitspanne übersetzt, bearbeitet und kommentiert.


griechische Philosophie

Die philosophischen Ideen jener Periode standen entsprechend ihrer Quelltexte in der Tradition von Platon, Aristoteles und den Werken des Neuplatonismus. Der Begriff Philosophie war dem Arabischen fremd, und es wurde daher das griechische Wort transkribiert und als falsafa in den Sprachgebrauch aufgenommen und ihre Lehren vor dem Hintergrund eines intellektuell-islamischen Kontextes in den Blick genommen. Der Prozess der Auseinandersetzung mit diesen Theorien führte in der islamischen Praxis zur Entwicklung eigener Lehren.


Mutaziliten

Eine der letzten Schulen des älteren Kalam waren die Mutaziliten (die Zurückgezogenen). Sie sahen sich der Vernunft verpflichtet und spalteten sich von den traditionstreuen Mutakallimun ab. Sie traten dafür ein, dass der Vernunft der Vorzug gegeben werden sollte, wenn Offenbarung bzw. Überlieferung in einem Widerspruch zur Vernunft standen. Diese Denker operierten erstmals mit griechischen Begrifflichkeiten in islamischtheologischen Diskursen und bedienten sich der Methoden der griechischen Philosophie wie der Dialektik. Darüber hinaus beschäftigten sie sich auch mit Kosmologie, Psychologie, Moralphilosophie und anderem. Ein ethischer Standpunkt der Mutaziliten war zum Beispiel der, dass die Vernunft unabhängig von der Offenbarung in der Lage sei, die moralische Qualität einer Handlung zu erkennen.


Aschariten

Auf die Mutaziliten folgte die Schule der Aschariten, die bereits dem jüngeren Kalam zugezählt wird. Begründet von Abu Hasan al-Aschari (ca. 873 - 935), einem orthodoxen sunnitischen Theologen, kam es zu einer Wende in der Haltung innerhalb des Kalam hin zu traditionalistischeren Standpunkten. Weil die philosophischen Prinzipien der Argumentation aber bereits die Grundlage der Diskurse geworden waren, bediente sich auch der ascharitische Kalam der dialektischen Methode und der rationalen Argumentation, um sich gegen deren Vordringen selbst zu behaupten (al-Ghazali). Auf diese Weise wurden die ascharitischen Mutakallimun im Kampf gegen den philosophischen Neuerungsgeist dazu geführt, mit der eigenen Doktrin in eine rationale Auseinandersetzung zu treten.


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