Quechua
Aus dem Wiki der Edition Viktoria
| Ollanta Ein Inka-Schauspiel | |
| ISBN 978-3-902591-00-5 | |
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Inhaltsverzeichnis |
Runa-Simi
Die Sprache der Inkas, deren Ahnen der Sage nach aus der Gegend um den Titikakasee kamen, hieß Inca-Simi (simi bedeutet Wort) und wurde im weiteren Verlauf der Geschichte ausschließlich innerhalb der Inka-Familie gesprochen. Aufgrund ihrer mangelnden Verbreitung ist diese Sprache bald nach der Eroberung des Landes durch die Spanier völlig verschwunden.
Das Volk, in dessen Gegend die ersten Inkas eingewandert sind, sprach Runa-Simi (runa bedeutet Mensch). Die Inkas bedienten sich dieser vorgefundenen Sprache in der allgemeinen Kommunikation, verfeinerten den Gebrauch und sorgten im Zuge der Expansion des Reiches durch Lehrer dafür, dass sie in allen neu einverleibten Gebieten erlernt wurde. Runa-Simi, das heute als Quechua bezeichnet wird, war Staatssprache im Inkareich.
Quechua wird gegenwärtig von ca. 10 Millionen Menschen in verschiedenen Dialekten als Muttersprache gesprochen.
Verschriftlichung
Die Quechuas kannten keine Schrift, wenn man von ihrem Aufzeichnungssystem durch Knoten absieht (Kipu).
Als die Spanier das Reich eroberten, begannen diese, die indigene Sprache auf der Grundlage des lateinischen Alphabets nach spanischer Phonetik aufzuzeichnen. Für eine adäquate Wiedergabe der vielen Feinheiten des Quechua war dies allerdings nicht ausreichend.
Ernst Wilhelm Middendorf versuchte, das Problem der Aufzeichnung zu lösen, indem er den unterschiedlich hervorgebrachten Mitlauten Akzente in verschiedene Richtungen voran- oder hintanstellte.
Gavino Pacheco Zegarra, ein peruanischer Linguist, entwickelte aus diesem Grund ein eigenes Alphabet für die Phonetik der Quechua-Sprache, indem er zur besseren Darstellung und Unterscheidung der verschieden intonierten Konsonanten einige neue Buchstaben entwarf. Dieses Alphabet stellte er 1875 beim Amerikanistik-Kongress in Nancy (F) vor; es setzte sich jedoch nicht durch.
Seit den ersten Aufzeichnungen in Quechua gab es viele solcher Versuche zur Herstellung einer phonetisch annähernd
zutreffenden Schreibweise, doch erst ab den 1970er Jahren wurden in Peru und in Bolivien offizielle Standards entwickelt, die einander inzwischen weitestgehend angeglichen sind.
In den überlieferten Texten und insbesondere in den frühen Handschriften finden sich aus den erwähnten Gründen auch
heute noch viele verschiedene, oft sehr willkürlich erscheinende Schreibweisen für ein und dieselben Wörter der
Quechua-Sprache.
Syntax
Quechua ist eine agglutinierende Sprache. Das bedeutet, dass näher bestimmende sprachliche Elemente nicht in Form von Nebensätzen oder mit ergänzenden Worten ausgedrückt werden, sondern dass sie als Silben (Suffixe) an das unverändert bleibende, die Aussage tragende Wort angehängt werden. Dabei können etwa ganze Nebensatzkonstruktionen mitsamt ihren Konjunktionen als Silben an das Verb gehängt werden. Auch die Deklination von Hauptwörtern, ihre Verneinung, die Pluralbildung, ihre Beziehung zu anderen Teilen der Aussage und vieles andere werden als Silben am Wortende deutlich.
Zum Beispiel:
-cha bedeutet, dass etwas nur wahrscheinlich oder noch unsicher ist
-icu zeigt an, dass eine Handlung mit Liebe und Aufmerksamkeit ausgeführt wird
-chus charakterisiert die indirekte Frage
Das Aneinanderhängen der Silben erfolgt in einer festgelegten Reihenfolge.
Textbeispiel
Dieses Textbeispiel stammt aus dem Buch Ollanta. Ein Inka Schauspiel der Edition Viktoria (Wien, 2007) und seiner Quellen::
| Quechua-Manuskript (J. J. Tschudi) | deutsche Übersetzung (E. W. Middendorf) | metrische Bearbeitung (Edition Viktoria) | |||
| Ah Ollanta? Ah Ollanta? | O Ollanta, Ollanta! | Ollanta, ach, Ollanta, ja! | |||
| Chainatachu hurccusunqui | So also setzt er dich aus | Also das ist nun dein Lohn, | |||
| Llipi llactac cañiquiman? | dem Hohne des ganzen Landes | bist des ganzen Landes Hohn | |||
| Chaichica yanascaiquiman? | für so viele geleistete Dienste? | für deine guten Dienste da! | |||
| Ay! Cusi Ccoillur huarmillay | O, Cusi Koillur, o mein Weib, | Ach Weib, du meine Koyllur! | |||
| Cunanmi chincarichiqui | heute habe ich dich verloren | Sie wird für mich verloren sein, | |||
| Ñan ñocca pisipachiqui | hab´ dich ins Verderben gebracht. | hab ihr gebracht Verderben nur. | |||
| Ay Ñusta! ay urpillai! | O Prinzessin, o meine Taube! | O Ñusta, o du Taube, mein! | |||
| Ay Ccozcco! ay sumac Llacta? | O Kusko, o schöne Stadt! | O Kusko, o du schöne Stadt! | |||
| Cunamanta ccayamancca | Von heute an in Zukunft | Von heute sie in Zukunft hat | |||
| Auccan casac, casac Auca | werde ich ein Feind sein, ein Feind, | wohl einen schlimmen Feind durch mich, | |||
| Chai ccasccoiquita ccaracta | der deine Brust grausam | der aufreißt bald schon ihre Brust | |||
| Lliquirccospa sonccoiquita | aufreißt, um dein Herz | um dann das Herz zu nehmen sich, | |||
| Cunturcunaman conaipacc | den Geiern vorzuwerfen, | den Geiern füttern es zur Lust: | |||
| Chai Aucca, chai Yncaiquita: | diesen Tyrannen, deinen Inka! | den Stolzen selbst, den Inka, dann | |||
| Huñu huñu huaranccata | Viele, viele Tausende werde ich, | Ja! Viele, viele tausend Mann, | |||
| Anticunata llullaspa | die Antis überredend | all meine Antis, treu sie sind, | |||
| Suyuicunata tocllaspa | und meine Landsleute verlockend, | und Männer, meines Landes Kind, | |||
| Pusamusacc pullccanccata, | schildbewaffnet herbeiführen. | sie folgen mir bewaffnet dann. | |||
| Sacsa huamanpin ricunqui | Auf dem Sajsahuaman wirst du erblicken | Und auf dem Sacsahuaman | |||
| Rimaita phuyuta hin, | meine Krieger gleich einer Wolke. | wirst du der Krieger Wolke sehn. | |||
| Chaipin sayarincca nina | Da werden sich die Flammen erheben. | Kusko, wirst in Flammen stehn | |||
| Yahuarpin chaipi puñunqui | im Blute wirst du schlafen | und in Blut wirst du ertrinken, | |||
| Chayqueipin cancca Yncaiqui, | und zu meinen Füßen dein König. | der Inka vor mich niedersinken. | |||
| Chaipacham paipas ricuncca | Dann wird auch er erfahren, | Und von dort kann er dann sehn, | |||
| Pisinchus ñoccaapac Yunca | ob die Täler (Yuncas) mir fehlen. | dass auch die Yuncas mit mir gehn. | |||
| Puchunccachus chai cuncaiqui: | Ob dir wohl dann noch Stimme übrigbleibt? | Ob er noch hebt die Stimme dann? | |||
| Manapunim ccoiquimanchu | "Keineswegs kann ich sie dir geben", | „Kann ich nimmer sie dir geben!“, | |||
| Ñihuaracc chai ususinta? | sagte er mir doch von seiner Tochter! | sagt er von Koyllur grad eben. | |||
| Pascarinracc chai siminta? | Und dann entfuhr ihm noch das Wort: | Es kam dann dieses Wort noch dran: | |||
| Manan ccampacca canmanchu | "Für dich könnte sie doch nicht sein!" | „Für dich ist niemals sie bestimmt!“ | |||
| Ñispa, uticui phinascca | Sagte er, furchtbar ergrimmt, | Und er sprach und war ergrimmt, | |||
| Cconccor sayaspa mañactei? | als ich ihn kniefällig bat! | als ich auf meinen Knien lag dort. | |||
| Yncan paipas ñocca cactei | Er ist König, weil ich da bin, | Der nächste Inka, der bin ich! | |||
| Tucuimi chaicca yachasca. | das wissen alle. | Das wissen alle sicherlich. | |||
| Cunancca caillaña cachun ... | Jetzt nun geschehe ... | Das Schicksal setze sich nun fort ... | |||
Kategorien: Ollanta | Südamerika | Inka

