Salomonische Dynastie
Aus dem Wiki der Edition Viktoria
| Zär'a Yaqob Eine äthiopische Weltanschauung | |
| ISBN 978-3-902591-02-9 | |
| Online-Buchhandel |
1270 besiegte Yekuno Amlak den letzten Herrscher der Zagwe und bestieg als Negusä Nägäst ("König der Könige") den Thron. Er führte seinen Stammbaum auf Salomon zurück und sah sich damit in der Tradition der alten aksumitischen Königsdynastie. Der Herrschaftsanspruch der sogenannten Salomonischen Dynastie wurde mit der Übersetzung einer Legende historisch und religiös legitimiert.
In dieser heute als Nationalepos Äthiopiens geltenden Geschichte, dem Kebrä Nägäst ("Ruhm der Könige"), wird die Legende der Königin von Saba erzählt, die nach einem Besuch beim weisen Salomon im heiligen Land dessen Sohn Menelik (Menilek, abgeleitet von der Bezeichnung Ibn al-Hakim - "Sohn des Weisen") zur Welt bringt. Makeda, die Königin von Saba, herrschte über ein Reich, das sich von Südarabien bis nach Äthiopien erstreckte, und ihr Sohn, das Kind Salomons, wurde schließlich der erste König von Äthiopien. Als dieser ebenfalls seinen Vater in Jerusalem besuchte, brachte er von dort heimlich die Bundeslade mit, jene Truhe, die die steinernen Gesetzestafeln enthält, die Gott Moses am Berg Sinai übergab, um damit den Bund mit dem Volk Israel zu begründen. Bis heute wird die Bundeslade angeblich - vor aller Öffentlichkeit geschützt - in Aksum in der Kirche der Heiligen Maria von Zion aufbewahrt. Aksum gilt deshalb als heilige Stadt, als zweites Jerusalem, und wenn es auch der Salomonischen Dynastie nicht mehr als Regierungssitz diente, so blieb es doch die Stadt des Krönungszeremoniells.
Einer der bekanntesten Herrscher aus dem Salomonischen Geschlecht ist Zär'a Yaqob (1434 - 1468). Er dehnte das Reich durch große Feldzüge aus, er reformierte und straffte die Verwaltung und machte sich daran, seine Herrschaft zu festigen, indem er das koptische Christentum in eine staatspolitisch dienlichere Richtung ausformulieren und durch eine Reihe von Schriften verbreiten ließ. Den so interpretierten orthodoxen Glauben setzte er als Staatsreligion mit inquisitorischer Härte und gewaltsamer Verfolgung durch.
Diverse Recherchen nach dem Namen "Zär'a Yaqob" in seinen verschiedenen Schreibweisen führen in der Regel zu diesem Herrscher Äthiopiens und nicht zum Philosophen, der eineinhalb Jahrhunderte später lebte und dem es an der großen Bekanntheit mangelt, der sich dieser namensgleiche Regent erfreut.

