Sonnenkult
Aus dem Wiki der Edition Viktoria
| Ollanta Ein Inka-Schauspiel | |
| ISBN 978-3-902591-00-5 | |
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Inhaltsverzeichnis |
Verehrung der Natur
Der Sonnengott Inti ist der Stammvater der Inkas.
Intis Frau und stetige Begleiterin ist Mama Quilla, die Mondgöttin.
Gegenstand der Verehrung waren außerdem Chasca, der Morgen- und Abendstern, Kuichi, der Regenbogen, oder Illapa, Blitz und Donner bzw. das Gewitter oder der Regen.
Auch viele andere Naturerscheinungen, wie etwa Felsen mit menschlichen Formen, wurden für heilig gehalten.
Die Erde, Pachamama, wurde ebenfalls als Gottheit verehrt und alles geeignete Land wurde zum Ackerbau verwendet.
Der Glaube an einen über allen Dingen stehenden Schöpfergott (der auch die Sonne erschaffen hat) war bei den indigenen Völkern in der Zeit vor den Inkas verbreitet. Dieser Gott wurde unter dem Namen Pachacamac (an der Küste) und Huiracocha (im Hochland) verehrt. Die Inkas verboten diesen Glauben nicht, forcierten aber den Sonnenkult, von dem sie ihren Herrschaftsanspruch herleiteten.
Die Sonne
Die göttliche Verehrung der Sonne hat ihren Ursprung wahrscheinlich in den wärmenden Strahlen, die in den kalten Bergregionen Tahuantinsuyus nicht nur eine besondere Wohltat, sondern eine Überlebensnotwendigkeit waren.
Der Sonne wurden an Festtagen Brandopfer dargebracht: Tiere (Lamas, Kaninchen, Vögel), leblose Dinge (Fett, Körner, Früchte, Kräuter, Aka – ein gegorenes Getränk aus Mais) und fallweise auch menschliches Blut (zu dessen Gewinnung niemand sterben musste). Menschenopfer hat es im Sonnendienst nicht gegeben.
Dem Sonnengott Inti geweihte Gebäude waren großzügig mit Gold ausgestattet. Es war die Farbe der Sonne und hatte große religiöse Bedeutung. Das Haus der Sonnenjungfrauen, die Tempel und andere religiöse Stätten gingen vor Gold förmlich über.
Der Grad an Fertigkeit in seiner Bearbeitung war hoch: Wände und Türen waren mit Goldplatten verkleidet, im Inneren befanden sich Sonnenbildnisse aus Goldblech, goldene Sessel und Erhöhungen. Es gab im Sonnentempel in Kusko auch einen sogenannten goldenen Garten. Das war ein Raum, in dem all die goldenen Geschenke und Gaben aufbewahrt
wurden, die Inti zu den religiösen Festen dargebracht worden waren. Darunter fanden sich neben menschlichen Statuetten auch Tiergestalten und Naturbildnisse, etwa ein ganzes Maisfeld, Obstbäume und vieles mehr.
Das meiste dieser Kunstwerke und goldenen Bildhauerei wurde nach der Eroberung des Landes von den Spaniern eingeschmolzen und als Goldbarren in die Heimat geschickt. Große Teile des Goldschatzes aus dem Sonnentempel in Kusko wurden als Lösegeld an die Spanier gegeben, um damit die Freiheit Atahualpas, des letzten Inkas, zu erkaufen.
Inti Raimi
Auch die Arbeit in der Landwirtschaft geschah im Einklang mit dem Sonnenkult. Die Zeit wurde in Mondphasen gemessen, das Jahr war in 12 Monde geteilt. Die Jahreszeiten wurden durch die Sonne bestimmt und zu ihrem Wechsel fanden Feste statt:
Es gab das Saatfest (Cusqui-Raimi) und das Fest der Reinigung (Situa-Raimi).
Das größte Fest war jedoch das der Wintersonnenwende am 21. Juni.
Dieser Tag wurde von den Inkas als Tag der "festgebundenen Sonne" (Inti huatana) bezeichnet. Das Sonnwendfest (Inti-Raimi) wurde an den neun (andere Quellen sprechen von drei) der Wintersonnenwende folgenden Tagen gefeiert. Zu diesem Fest kamen Abgesandte aus allen Provinzen in die Hauptstadt.
Drei Tage vor dem Fest wurde streng gefastet. Am Morgen des Inti-Raimi versammelten sich die erwachsenen Männer der Inkafamilie noch vor Sonnenaufgang hockend auf dem Hauptplatz von Kusko. Der Inka war der erste, der sich erhob, sobald die ersten Sonnenstrahlen der neuen Sonne zu sehen waren, um ihr Aka (ein gegorenes Getränk aus Mais) zu opfern. Dann fand im Tempel eine Zeremonie zu Ehren Intis statt und in der Folge wurden Opfer gebracht. Das erste Opfertier war stets ein schwarzes Lama-Lamm. Die Opferteile der Tiere wurden mit dem neuen Feuer verbrannt, das zuvor aus der Bündelung der Strahlen der neuen Sonne gewonnen worden war. Dieses Feuer wurde als unmittelbare Gabe der Sonne verehrt und das ganze Jahr über im Haus der Sonnenjungfrauen gehütet.
Nach der Opferung wurde das Fleisch der Opfertiere verzehrt und das Fest ging schließlich in ein Trinkgelage mit Tänzen, Gesängen und Festspielen über.
Sonnenjungfrauen
Die Vorbereitung der religiösen Zeremonie erfolgte durch die Ajllas, die Jungfrauen der Sonne. Sie lebten im Ajllahuasi (Haus der Sonnenjungfrauen) in Kusko, dessen Räumlichkeiten, wie alle anderen Inti geweihten Stätten, prunkvoll mit Gold ausgestattet waren.
Im Alter von zirka acht Jahren wurden die schönsten Mädchen aus der Familie des Inkas ausgesucht, um als Gattinnen Intis in strengster Abgeschiedenheit im Haus der Sonnenjungfrauen zu leben. Die Ajllas wurden deshalb auch die "Erwählten Jungfrauen" genannt.
Niemand, auch kein Dienstpersonal, durfte die Schwelle ins Innere übertreten. Die älteren Jungfrauen kümmerten sich um die jüngeren, Instruktionen bekamen die Ajllas von den Mamaconas (Matronen, Lehrerinnen). Zutritt zum Ajllahuasi hatten nur die [[Inka|Coya] und ihre Töchter.
Die Jungfrauen verbrachten ihr Leben mit dem Verrichten bestimmter Aufgaben wie etwa dem Spinnen und Weben der feinen Textilien für die Gewänder der Inkas oder mit der Zubereitung des heiligen Maisbrotes und des Aka, die an den Festtagen gereicht wurden.
Die Jungfrauen genossen großes Ansehen in Tahuantinsuyu.
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